Nach der Leitzinssenkung: Viele Sparer verlieren Geld

Nach der Leitzinssenkung: Viele Sparer verlieren Geld

Das Geld ist auf Tagesgeldkonten zwar verzinslich angelegt, aber dennoch jeden Tag verfügbar. Nach Bedarf kann das Konto aufgelöst und das Gesparte zu einer anderen Bank mit höheren Zinsen überwiesen werden. Doch für Sparer wird es immer schwieriger, hohe Zinsgewinne zu erzielen. Viele haben sogar Geld verloren, weil die Zinsen immer weiter fallen. Dieser Trend wird sich in den nächsten Monaten wohl noch weiter verstärken, denn die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins erneut gesenkt.

Mit der neuerlichen Absenkung von 0,50 auf nun 0,25 Prozent hat der Leitzins einen neuen Negativrekord erreicht. Alle, die an eine Baufinanzierung oder einen Ratenkredit denken, können sich freuen, denn die Darlehen werden vermutlich günstiger. Sparer hingegen müssen umdenken. Klassische Geldanlagen wie das Tagesgeld werfen immer weniger ab. Wie hoch die Verluste tatsächlich ausgefallen sind, hat das Beratungsunternehmen McKinsey & Company untersucht. Demnach haben Sparer im EU-Raum, Großbritannien sowie den USA seit dem Jahr 2007 630 Milliarden Dollar verloren. Zu diesem Ergebnis kamen die Analysten, als sie die Leitzinsen des Jahres 2007 – damals betrugen sie noch 4,00 Prozent – mit denen aus dem Jahr 2012 verglichen haben. Vor einem Jahr lag der Leitzins bei 0,75 Prozent. Doch es gibt auch Gewinner, die jeweiligen Länderregierungen wurden durch den niedrigen Zins erheblich entlastet; sie mussten weniger ausgeben, um Schulden bezahlen zu können. Die Analysten glauben, dass die Regierungen dank des niedrigen Leitzinses 1,4 Billionen Dollar eingespart haben. Da sich Unternehmen günstiger Geld bei den Notenbanken leihen können, profitieren auch sie.

Dies sollten Tagesgeldsparer nun wissen

Noch können clevere Sparer die Inflation besiegen, doch nur, wenn sie alle Tricks kennen. So sollten Tagesgeldkonten vermieden werden, deren Zinsen an den Leitzins gekoppelt sind. Derzeit gibt es nur ein solches Angebot auf dem Markt, das Barclays LeitzinsPlus-Konto, bei dem Sparer derzeit 0,50 Prozent Zinsen erhalten. Dieser Zins setzt sich aus einem Basiszins in Höhe des Leitzinses sowie einem Zinsaufschlag in Höhe von 0,25 Prozent zusammen. Welche Banken hohe Zinsen anbieten, sollte regelmäßig überprüft werden, vor allem Neukundenangebote können hier punkten. Noch besser sind Tagesgeldkonten mit Zinsgarantie. Spitzenreiter ist hier Cortal Consors, die Bank garantiert 1,40 Prozent auf 12 Monate ab Zeitpunkt der Kontoeröffnung. Wenn die Zinsen weiter fallen, wird die Einlage weiterhin hoch verzinst. Kehrt sich der Negativtrend wider Erwarten doch noch um, kann das Konto schnell aufgelöst werden. Sparer, die Zinsgewinne aktiv vermehren wollen, etwa an der Börse, sollten über Kombi-Angebote nachdenken. Denn Kunden, die Tagesgeldkonto und Wertpapierdepot bei derselben Bank besitzen, erhalten deutlich höhere Zinsen.